Die Tagesschau und ihre seltsame Deutung des Trump-Attentats

Was die ARD über das zweite Attentat auf Donald Trump berichtet hat, gleicht in Tendenz und Wortwahl dem, was sie schon über das erste erzählt hatte. Die Tagesschau vom 26. April 2026 sprach von einem Vorfall, bei dem es zwar gewaltsam zuging, gewaltsam aber gegen rechts; und das macht eben einen großen Unterschied. Die Tageschau hält es mit Bert Brecht, der ja auch schon stolz darauf gewesen war, die Gewehre endlich in die richtige Richtung gedreht zu haben.

Sorgfältig wie sie ist, legt die Tagesschau Wert darauf, den Täter, einen jungen Mann, dessen Bilder um die Welt gegangen waren, nicht als Täter, sondern als mutmasslichen Täter zu bezeichnen. Zwar hatte er sich schwer bewaffnet und sich in einer Botschaft, die er noch kurz vor seiner Tat versandt hatte, einen friendly assassin, einen freundlichen Mörder genannt. Aber die Tagesschau ist genau, sie unterscheidet zwischen Mördern und freundlichen Mördern.

Und sie beobachtet scharf: als Trump zwei Stunden nach dem Attentat vor die Presse trat, sei er „ungewöhnlich konziliant“ gewesen, habe sich „demonstrativ unbeeindruckt“ gezeigt und von jeder „verfrühten Schuldzuweisung“ abgesehen. Womit zwar nicht gesagt, nicht einmal vermutet, aber doch angedeutet wird, dass Trump die Sache ganz recht gewesen sein könnte, er sie am Ende – bei Trump weiß man ja nie – selbst inszeniert haben könnte.

Wie soll man Leute nennen, die ihre journalistischen Privilegien auf solche Art missbrauchen? Die nicht aussprechen oder behaupten, sondern andeuten, insinuieren und suggerieren? Die nicht falsch, aber schief informieren und sich ihrer Verpflichtung zu vollständiger Berichterstattung einfach dadurch entziehen, dass sie die Hälfte weglassen? Soll man sie Lügner, Leugner oder Lumpen nennen? Oder doch lieber von mutmasslichen Lügnern, mutmasslichen Leugnern und mutmasslichen Lumpen reden?  

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